Merkblatt für den Umgang mit ADHS-Kindern

Ziel: Konzentrationsförderung bei ADHS-Kindern

Das Kind soll lernen mit seinem eigenen Wahrnehmungsstil kompetent umzugehen.

Was ist hilfreich?

a) zur Verbesserung der Konzentration:

  • förderliche Konzentrationsbedingungen schaffen
  • unnötige Reize und Ablenkungsmöglichkeiten vermindern, wenn sich das Kind konzentrieren soll
  • Wahrnehmungsförderung und Sinnesschulung: genau hinschauen, genau zuhören, genau nacherzählen, Wahrgenommenes wiedergeben
  • Interesse und Neugierde an der Sache wecken
  • Vorschulkinder: Legospiel, Sandspiel und kreative Beschäftigungen
  • Schulkinder: Musikinstrumente lernen, Tischtennisspiel und andere sportliche Aktivitäten, “Halli Galli”, “Vier gewinnt”

Was fördert die Eltern-Lehrer-Beziehung?

Inhaltliche Vorbereitung

  • Sich etwas Anerkennendes zum Lehrer überlegen und notieren
  • Maximal 3 Fragen oder Anliegen auf eine Karteikarte stichpunktmäßig notieren
  • Platz lassen auf der Rückseite, um sich 3 Handlungsschritte oder Hilfsmöglichkeiten notieren zu können (Stift mitnehmen!)
  • Einen Folgetermin bei Problemgesprächen ausmachen! Ein Erfolgs-check ist ein Erfolgsscheck
  • Sich für das Gespräch bedanken.

Seelische Vorbereitung

  • Die meisten Menschen überlegen sich, wie sie ein Gespräch beginnen. Stellen Sie sich bildhaft vor, wie Sie das Gespräch erfolgreich beendet haben (wie ist der Blickkontakt, das Körpergefühl, der Atem, die Körperhaltung?)
  • Bleiben Sie auf gleicher Augenhöhe mit dem Gesprächspartner
  • Wählen Sie statt einer gegenübersitzenden Position eher eine Sitzposition im rechten Winkel
  • Erinnern Sie sich zwischendurch daran, mit welch gutem Ergebnis Sie das Gespräch beenden wollen.

Was ist bei der Hausaufgabenbewältigung sonst noch zu beachten?

Hausaufgaben sollen Erfolgsaufgaben sein. Kinder sollen den Lernstoff der Schule durch Wiederholung vertiefen und sich bestätigen, was sie alles gut können. Brauchen Kinder wirklich Hilfe, empfehle ich folgendes Vorgehen: Nehmen Sie sich als Elternteil ein eigenes Blatt und lösen Sie laut denkend, schriftlich die Textaufgabe in Mathematik. Drehen Sie das Blatt um, es wird der Spickzettel für Ihr Kind. Wenn es nicht weiter weiß, kann es nachschauen. Schreiben Sie ihm bitte nicht in sein Heft oder Arbeitsblatt hinein. Das verletzt seine Würde. Genauso können Sie mit schwierigen Worten in der Rechtschreibung umgehen.

Wenn es Ihrem Kind schwer fällt, mit den Hausaufgaben zu beginnen, fragen Sie es doch, wie gut es sich gefühlt hatte, als es beim letzten Mal mit den Hausaufgaben fertig war. Ermutigen Sie es auch, mit der leichtesten Aufgabe zu beginnen, weil auch der Antrieb im Gehirn eine Warmlaufzeit braucht.

Wenn es längerfristige Probleme mit dem Lernen gibt, vereinbaren Sie bitte mit der Lehrkraft und mit Ihrem Kind ein gemeinsames Gespräch. Fragen Sie bitte nach, was Sie konkret tun können und sollen, und wie Sie Ihr Kind unterstützen können. Treffen Sie eine gemeinsame Lernvereinbarung mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit, die Sie schriftlich niederlegen. Im Zeitraum von vier bis maximal sechs Wochen sollte dann bei einem Folgegespräch eine erste Bilanz gezogen und evtl. eine Neuabsprache getroffen werden. Ein Bilanzgespräch ist ein Stück Erfolgsgarantie.

Natürlich gibt es eine Fülle von Auffälligkeiten und Störungen rund um die Schule und das Lernen. Bei länger andauernden Schwierigkeiten verdienen es Eltern und Kinder, professionelle Unterstützung zu bekommen. Dafür stehen Beratungslehrer, Schulpsychologen, das Sozialpädiatrische Zentrum, Erziehungs- und Familienberatungsstellen und viele weitere gute, professionelle Helfer zur Verfügung.

Wie bekommt man Lust auf Lernen?

Nachfolgend präsentiert Ihnen der Erziehungsratgeber Die Eltern-Schule ein paar Beispiele, wie Sie Ihr Kind über einen bestimmten Sinneskanal einladen können, in einen guten Bewussteseinszusand hinein zu rutschen:

1. Statt Ihr Kind beim Heimkommen von der Schule zu fragen, wie es heute war (auditiv, nachforschend) nehmen Sie es vielleicht in die Arme und drücken es (kinästhetisch) und sagen ihm: „Schön, dass du da bist“ (auditiv, bestätigend)

2. Hängen Sie eine gute oder sehr gute Arbeit Ihres Kindes über seinen Schreibtisch als Fotokopie auf (visuell)

3. Vielleicht liebt s Ihr Kind, wenn Sie ihm vor den Hausaufgaben eine Handmassage (Handinnenflächen, Handteller bis zu den Fingern), eine Kopfmassage inklusive des Nackens (erhöht die Gehirndurchblutung) oder eine Ohrmuschelmassage (vielleicht vor dem Üben einer Nachschrift) gönnen.

4. Liebt s Ihr Kind, auf einem großen Sitzball leicht wippend Platz zu nehmen? Damit wird das Gleichgewichtsorgan leicht angeregt, was ebenfalls zu einer Gehirnaktivierung führen kann (kinästhetische Anregung).

5. Manche Kinder sprechen gern den Schulstoff auf Band und hören ihn sich wieder an. Alternativ können auch Sie als Elternteil dies für das Kind tun (auditiv).

6. Vielleicht mag Ihr Kind einen bestimmten Duft sehr gerne. Manche Düfte sollen auch konzentrationsfördernd wirken. Kinder lieben allerdings eher süßliche Düfte in einer Duftlampe (z.B. Mandarine).

7. Gönnen Sie Ihrem Kind anschauliche Hilfsmittel.
Eine russische Rechenmaschine kann vor allem in den ersten zwei Grundschulklassen anschaulich wertvolle Rechenhilfe geben (visuell).

Wie wir Aggressionen bei Kindern hilfreich begegnen können

Typische Kennzeichen aggressiven Verhaltens

Schnell ablaufend, stressgesteuert, individuell relativ starre Verhaltensmuster.

 

Wert der Aggression

Unterdrückung von Gefühlen der Angst und Hilflosigkeit, Betonung der eigenen Bedürfnisse, Kampf um das eigene Selbstwertgefühl …

 

Gefahren der Aggression

Seelische und körperliche Verletzungen der Mitmenschen, teilweise Schuldgefühle beim aggressiv-gehemmten Kind, soziale Ausgrenzung und Isolierung, Einbindung in Gruppen, in denen Aggressionen als Wert gilt, …

 

Grundthese

Eine aggressionsfreie Welt ist nicht vorstellbar. Alle Menschen müssen lernen, mit ihren aggressiven Impulsen zielgerichtet und entwicklungsfördernd umzugehen. (lat. Aggredi = an etwas herangehen).

 

Wenig erfolgversprechende Reaktionen auf Aggressionen

Moralisieren, bestrafen oder „Gleiches mit Gleichem vergelten“, generalisieren („wenn alle so handeln würden …“) appellieren („nun reiß Dich doch mal zusammen…“), Beschimpfungen und Abwertungen, …

 

Möglichkeiten guter Aggressionsbewältigung

1. Überlegen Sie, ob Ihr Eingreifen wirklich notwenig ist. Besteht die Chance, dass die Kontrahenten selbst zu einer Lösung kommen? (Achten Sie auf non-verbale Signale und die Gleichwertigkeit der Kontrahenten)

2. Wenn Aggressionen eskalieren, handeln Sie sofort und überlegt!

3. Gewinnen Sie die Aufmerksamkeit der Kontrahenten, in dem Sie laut „Stopp!“ rufen, rasch näher kommen und bestimmt auftreten.

4. Wenn ganze Gruppen miteinander im Konflikt liegen, gehen Sie auf den Anführer zu.

5. Gehen Sie auf einen Abstand, der es Ihnen erlaubt, möglichst beide Hauptkontrahenten mit einer ausgestreckten Hand zu berühren, mehr Nähe erzeugt Angst und Bedrohungsgefühle, mehr Abstand erschwert den Kontakt.

6. Einer nach dem anderen: Fragen Sie erst einen Kontrahenten, worum es hier ginge, während Sie mit einer kurzen Bemerkung („gleich bist Du dran“ – „einen Moment“) oder mit einer leichten beruhigenden Handbewegung mit dem zweiten Kontrahenten in Wartestellung gleichzeitig Beziehung halten.

7. Stellen Sie dem anderen Kontrahenten die gleiche Frage und sorgen Sie dafür, dass auch er aussprechen kann.

V e r l a n g s a m e n ist as oberste Gebot bei konstruktiver Aggressionsbewältigung!

8. Wiederholen Sie mit eigenen Worten die Bedürfnisse oder die positiven Absichten, die Sie in den Worten der beiden Kontrahenten entdeckt haben („der Peter will sein Lineal wieder haben und der Fritz braucht es noch, um seine Rechnung zu unterstreichen“)

9. Unterstreichen Sie, dass es wirklich ein Problem ist, wenn zwei Leute etwas gleichzeitig haben wollen oder gemeinsam auf etwas angewiesen sind. Einen Konflikt zu lösen ist nicht so kinderleicht.

10. Erwähnen Sie kurz, welche positiven Eigenschaften Sie an den beiden Kontrahenten schätzen, auch wenn diese nur andeutungsweise vorhanden sein sollten.

11. Starten Sie einen Versuchsballon und schauen Sie, ob mit Ihrer Wertschätzung und mit Hilfe von Verlangsamung die Kontrahenten nun intelligent genug seien, eine gute gemeinsame Lösung oder einen Kompromiss zu finden. Ziehen Sie sich probeweise zurück, etwas mit der Aufforderung „ihr zwei seid doch intelligent genug, eine gute gemeinsame Lösung zu finden“.

12. Wertschätzung versöhnt! Das Erinnern an die eigenen Fähigkeiten und Werte hilft gerade bei Kindern, schnelle und stressgesteuerte Aggressionsausbrüche abzufangen und in ein bewussteres, durchaus emotional- aber auch vernunftgesteuertes Handeln umzusetzen.

Weitere interessante und praxisnahe Erziehungstipps finden Sie im Erziehungsratgeber Die Eltern-Schule.

Das 30-Sekunden-Schimpfen

Wirkungsvoll schimpfen statt nur Dampf ablassen

Das 30-Sekunden-Schimpfen ist ein wirksames Mittel und ein wertvoller Erziehungstipp, Grenzen zu setzen und Verhaltensänderungen einzuleiten. Dabei hat sich ein 3- oder 4-stufiges Vorgehen bewährt.

1. Wenn das Fehlverhalten schon länger zurückliegt und aus dem Kurzzeitgedächtnis verschwunden ist: Beginnen Sie mit etwas allgemein Gutem oder Anerkennenswertem über das Kind.

Beispiel: „Du bist ein intelligenter Junge / ein intelligentes Mädchen….“
„Du hast das Herz auf dem rechten Fleck“
„Dir ist es wichtig, dass es gerecht zugeht“ oder ähnliches.
Diese grundlegende Wertschätzung ist wie ein Türöffner zum Herzen eines Kindes. Sie stellt eine grundlegende positive Beziehungsbasis her, um Veränderungen zu begünstigen.

Bei aktuellem Fehlverhalten beginnen Sie mit Nr. 2:

 

2. Benennen Sie ganz konkret und anschaulich, welche kindliche Verhaltensweise stört. Beschreiben Sie das konkrete Fehlverhalten, ganz anschaulich, was das Kind getan oder gesagt hat. Äußern Sie ganz eindeutig Ihre Ablehnung dieser Verhaltensweise.
Beispiel: „Mit dem Marmeladenbrot auf dem guten Sofa – Nein!“
„Ich will nicht, dass du bei den Hausaufgaben eine Hörspiel-CD laufen
lässt“.
„Stopp – hör auf, deinen Bruder zu treten!“

 

3. Peinliche Pause (mindestens 3 Sekunden)
Schauen Sie Ihr Kind unverwandt und mit ernstem Gesicht an. Stellen Sie sich ihm frontal gegenüber. Eventuell können Sie sagen „Schau mich an“ und schütteln Sie dann nachdenklich und mit ernster Miene langsam den Kopf. Der Sinn dieser Aktion ist, dass dem Kind wegen seines Fehlverhaltens „das Herz in die Hose rutscht“. Erzeugen Sie Betroffenheit!

 

4. Sagen Sie Ihrem Kind dann mit freundlicher und aufgehellter Stimme, welches konkrete Verhalten Sie jetzt erwarten. Beschreiben Sie diese Verhaltensweise so anschaulich wie möglich.
Beispiel: „Geh in die Küche, hol dir einen Teller und iss dein Marmeladenbrot am
Esstisch“. Sagen Sie freundlich „Danke“, wenn Ihr Kind beginnt, Ihrer
Anweisung zu folgen.
„Stell die CD ab und bleibe jetzt ganz bei deiner Rechenaufgabe“. Folgt Ihr Kind, können Sie beispielsweise mit dem Kopf nicken und „gut so“ murmeln.
„Sag deinem Bruder mit Worten, was du von ihm willst. Sag ihm: Gib mir
mein Matchboxauto wieder“.

Oft wissen Kinder nicht, wie sie mit Worten berechtigte Forderungen stellen oder sich selbst schützen und abgrenzen können. Hier ist ihnen das Vorbild oder das Vorsagen der Eltern eine wertvolle Hilfe.

Ergänzung: Hört das Kind nicht auf Ihre Anweisung, wiederholen Sie diese verlangsamt und mit leiserer Stimme in der Technik der „kaputten Schallplatte“, bis das Kind – vielleicht genervt – die vorgegebene Anweisung befolgt.

Insgesamt gilt: Setzen Sie dieses Vorgehen nur ein, wenn Ihr Anliegen wichtig ist. Übersehen Sie Kleinigkeiten, bleiben Sie gelassen – aber auch bestimmt.

Viel Spaß beim Ausprobieren des 30-Sekunden-Schimpfens.

Hausaufgaben erfolgreich bewältigen

Für viele Eltern lösen die Hausaufgaben ihrer Kinder eine Art Dauerstress aus. Vor allem Mütter fühlen sich oft als überforderte Hilfslehrer und kommen sich wie Sklaventreiber vor.

Eine 32-jährige, erschöpft wirkende Frau mit ihrem 8-jährigen blassen Sohn bat mich um Hilfe, weil sie jeden Nachmittag von 13.30 Uhr bis mindestens 17 Uhr mit ihrem Zweitklässler an den Hausaufgaben sitze. Fast jeder Nachmittag sei eine Quälerei. Was solle sie bloß tun? Ihr freundlicher, aber sichtlich geknickter Junge war im Gespräch dabei, schaute traurig und blieb weitgehend stumm. Er wurde erst lebendig, als ich den beiden für die nächsten zwei Wochen ein Experiment vorschlug:

Frank (Name geändert) sollte es verboten sein, vor 16 Uhr nachmittags mit den Hausaufgaben zu beginnen. Ich erklärte der Mutter auch, dass wohl in keinem Internat die Studier- und Lernzeit gleich nach dem Mittagessen beginne. Die Verdauung benötige viel Blut, das im Gehirn fehlen würde. Außerdem sei dieses von fünf Stunden Lernen am Vormittag noch erschöpft und brauche Erholung. Daher gäbe es am späten Nachmittag ab 16 Uhr wieder eine steigende geistige Leistungsfähigkeit, die in Internaten dann für die Hausaufgaben- und Lernzeit genutzt werde.

Die Mutter wandte ein: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“! Dies habe man doch von Kindesbeinen an so gelernt. Ich meinte dazu, dass dies wie Autofahren mit angezogener Handbremse sei. Franks Augen leuchteten, als ich mit der Mutter vereinbarte, probeweise nur für zwei Wochen dieses Experiment zu wagen, ihm vor 16 Uhr nachmittags die Erledigung seiner Hausaufgaben zu verbieten.

Zwei Wochen später kam ein gut gelaunter Junge mit seiner freundlich lächelnden Mutter. Beide erzählten, dass er seine Hausaufgaben jetzt in höchstens einer Stunde erledigt habe und das mit nur geringen Hilfen durch die Mutter.

Natürlich schaffen leistungsstarke Schüler ihre Hausaufgaben gut auch gleich nach dem Mittagessen. In anderen Fällen empfehle ich, erst spätnachmittags oder abends die Hausaufgaben zu erledigen, anstelle bei anbrechender Dunkelheit Zeichentrickfilme mangelhafter Qualität im Fernsehen zu schauen.

Was ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Erziehung?

Erziehung wird einfacher und erfolgreicher, wenn wir unser Augenmerk nicht auf unsere Schwächen und die unserer Kinder richten. Das entspannt die Situation in der Familie und führt zu mehr Verständnis und Zufriedenheit für alle. Denn gelassene und zufriedene Eltern haben selbstbewusste und zufriedene Kinder. Die Eltern-Schule will Ihnen dabei den Rücken stärken und Ihnen unnötige Selbstzweifel nehmen. Sie ist ein Erziehungsratgeber für mehr Gelassenheit und Fehlerfreundlichkeit.

Denn das Geheimnis einer erfolgreichen Erziehung liegt nicht darin, alles perfekt zu machen. Sondern darin, immer wieder die Balance zu suchen zwischen Sanftmut und Standfestigkeit. Ob unsere Kinder gerade erst geboren oder schon jugendlich sind: Sie brauchen von uns eine altersentsprechende Mischung aus sanfter und standfester Liebe. Sie brauchen unser Einfühlungsvermögen und unsere Anerkennung – und sie brauchen Orientierung durch Strukturen und Grenzen, die wir Ihnen vorgeben. Wenn Sie zudem genug Anregungen und Freiheit bekommen, um sich erproben und die Welt erkunden zu können: Dann verschaffen wir ihnen alles, was ein Kind braucht, um glücklich zu sein und stark zu werden.